Karibik-LIEBE


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Er hat geschrieben…

10.07.2017

…….. währenddessen ich immer noch mit meinem blöden Solitär beschäftigt war.

Das Handy klingelte einmal kurz und ich hatte meine Hände schon auf dem Handy, bevor der Ton noch ganz verstummt war.

Was er geschrieben hat? Ich sah es nicht! Ich musste nämlich zuerst runterscrollen, weil ich beim letzten Mal, als ich am Handy war, ältere Nachrichten von ihm noch durchgelesen hatte und der Bildschirm da stehengeblieben war. Ich verfluchte mich dafür, während ich mit dem Daumen wie wild nach oben wischte…..

Ohje, langer Text und keine Ausrufezeichen oder lieblichen Kosewörter im Text enthalten, die einem beim ersten Blick aufs SMS jeweils schon auffallen und mir gleich verraten hätten, dass es gut ausgegangen und er dementsprechend happy war…. hmm, nicht gut.

Also gut, lesen wir diesen langen Text mal!

Sie haben ihm keine positive (ohje…!) aber auch keine negative (aha??) Antwort gegeben. (Atem anhalt….). Sie hatten ihm zwei Formulare abgegeben, die er zu mir in die Schweiz schicken müsse… (heeey, das klingt ja wie…) und die ich dann beim Immigrationsamt einreichen müsse (ja tatsächlich klingt das wie…) und dass ich dann nach deren (hoffentlich positivem) Bescheid die Botschaft in Havanna wieder informieren müsse und sie Cubano dann das Visum wenn möglich erteilen werden! JAAAA, es klingt wie wenn ich tatsächlich noch das letzte Formular ausfüllen kann (genannt Verpflichtungserklärung), welches bei den meisten anderen erfolgreichen Visumantrags-Schweizern auch schlussendlich noch von der Botschaft ausgehändigt wird und bei dem man mit einem blütenreinen Betreibungsauszug und einem Kontoauszug aufwarten muss beim Immigrationsamt in der Schweiz.

Nun, 30’000 Franken hab ich natürlich nicht auf dem Konto, wie mir der nette Dokumenten-Mitnehmer ja in einem meiner letzten Beiträge angedroht hatte, dass ich dies besitzen müsste. Es reicht aber hoffentlich aus, so dass sie der Botschaft in Havanna dann grünes Licht geben für mich und Cubano!!!

Hatte Cubano überhaupt begriffen, was das bedeutet, dass er diese Formulare erhalten hatte??? Ich schrieb ihm dann sofort zurück (Amooooooooooor wie toooooooolllll) wenn von ihm schon keine Gefühlsregung kommt. Wobei das bei ihm immer sehr täuscht, äußerlich ist er scheinbar unberührt und zeigt keinerlei Regung, aber im Inneren tobt es. So wird es jetzt gerade sein bei ihm.

Er schrieb auch, ich sollte ihm meine Adresse nochmals schicken, damit er die Dokumente direkt per DHL an mich senden kann. Leider haben wir ja aber immer noch das Verzögerungs-Problem und nachdem ich ihm jetzt meine Adresse 3-4 Mal geschickt habe, hat er immer noch nichts erhalten.

Ich muss das Ganze jetzt zuerst einmal verdauen!!! Ich kann es gar nicht glauben dass sie uns diese Chance geben möchten und ich jetzt „nur“ noch diesen Papierkram erledigen muss hier in der Schweiz!!! Aber ich warte mal noch ab, bevor ich außer mir bin vor Freude – schließlich muss ihnen mein (nicht wirklich sehr hoher) Kontostand auch noch genügen…

… dementsprechend rattern meine Gedanken jetzt schon wieder und spucken wieder das aus, was ich nicht hören will… „was ist, wenn ihnen meine Vermögenswerte nicht genügen und alles was Cubano und ich zusammengetragen haben schlussendlich umsonst gewesen ist…???“

Aber danke euch, liebe Blogleser/innen… ihr habt mir echt viel Kraft geschickt und mir sehr geholfen! ❤ ❤ ❤ Ohne euch wäre das alles noch viel weniger gut auszuhalten gewesen!

Herzliche Grüße und jedem von euch eine warme Umarmung von mir!
Cecilia


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Das Warten!

10.07.2017

Heute morgen war ich noch ganz locker! Ehrlich.

Aber jetzt?

Ich sitze am PC und spiele Solitär…

Mein Bauchgefühl und das komische Ziehen im selbigen werden mit jeder Minute, die der Zeiger näher zur 12 rückt, stärker und flattriger.

Denn um 19 Uhr, also in Kuba 13 Uhr, sollte Cubano wieder bei der Botschaft sein und dann wird ihm die frohe oder enttäuschende Nachricht verkündet.

Cubano fragte mich gestern etwas ängstlich:

„Glaubst du, ich werde das Visum erhalten?“

 

Und heute war sein Kommentar zu seinem Zustand und seinen Erwartungen:

„Ich habe positive Gedanken dass alles gut ausgehen wird und sie meinen Antrag bewilligen werden. Ich fühle mich etwas nervös und angespannt, aber das ist ja normal.“

 

Ich habe ihm nochmals geschrieben, dass laut Aussagen im Internet die meisten Besuchsvisum-Anträge beim ersten Anlauf abgewiesen werden. Ich wollte ihm keine falschen Hoffnungen machen und versuche auch mich seit Tagen damit in der Realität zu halten und mich nicht zu sehr enttäuschen zu lassen mit vielleicht zu hohen Erwartungen oder zu großer Vorfreude.

Ich werde berichten…… jetzt warte ich erstmals gespannt auf die nächste Nachricht von Cubano. Das wiederum könnte eine Weile dauern, weil leider die SMS-Verbindung heute wieder grottenschlecht und sehr verlangsamt läuft – na, wer hätte DAS gedacht!

Liebe Grüße
Cecilia


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3… 2… 1…

05.07.2017

… Cubano steht in diesem Moment vor der Schweizer Botschaft in Havanna und wartet darauf, dass sie öffnet.

Es ist also soweit – endlich!

Marienkäfer
In den letzten Tagen ging es nochmals darum, ein weiteres Dokument zu besorgen, welches ihm evtl. hilft bei der Botschaft.

Nun sind diese stressigen Tage erst einmal vorbei und er kann heute den Antrag auf ein Besuchervisum stellen. Nach 3-5 Arbeitstagen sollte danach die Entscheidung seitens der Botschaft fallen.

Cubano ist nervös. Genau so wie ich. Er war schon 2,5 Stunden vor der Öffnung der Botschaft dort. Und in 35 Minuten öffnet die Botschaft endlich.

Bitte drückt uns nun nochmals ganz fest die Daumen und denkt an uns! ❤

Liebe Grüße
Cecilia


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Stromausfall

28.06.17

Gestern war ich den ganzen Nachmittag, Abend und bis in die Nacht hinein sehr besorgt. Verdammt besorgt!

Cubano hatte mir am Sonntag schon geklagt, dass er seit Samstagmorgen sehr starke Kopfschmerzen habe und einen starken Druck im Kopf spüre.

Montags hatte ich mit ihm telefoniert und er meinte, dass es mit Medikamenten ein bisschen besser sei, er aber immer noch Schmerzen und Druck verspüre. Ich sagte ihm, er solle sonst bald einmal zum Arzt, wenn der Druck nicht aufhört. Hatte schließlich immer noch die Spitalgeschichte und Krankheit von Cubano im Hinterkopf.

Gestern war ja nun der Tag gekommen, an dem er die Visum-Dokumente, die ein Schweizer glücklicher- und netterweise für mich mitgenommen hatte nach Havanna, hätte abholen gehen sollen und an dem wir alles Nötige noch vorbereiten wollten für den Visums-Antrag.

Nachmittags schreibe ich ihm, wie es ihm geht und ob er die Dokumente abholen gehen konnte.

Keine Antwort.

Weitere Nachrichten meinerseits. Versuche, ihn telefonisch zu erreichen. Handy ausgeschaltet, keine Reaktion.

Ich muss meinen täglichen Verpflichtungen nachgehen, habe das Handy aber immer dabei. Immer wieder hektische Blicke darauf, ob er endlich geschrieben hat.

Immer wieder und wieder einfach nichts.

Fange langsam an, frustriert zu werden. Rufe ihn wieder zigmal an.

Nichts, Handy ausgeschaltet.

Die Sorge um ihn beginnt. Schließlich hatte er ja geklagt über den Druck im Kopf. Und dann kommt das Kopfkino zum Zuge. Vielleicht ist er schon im Spital, das würde das ausgeschaltete Handy erklären!

Meine Gedanken wandern und spinnen sich immer wieder neues zusammen. Resultat: Riesengrosse Sorgen um Cubano.

Weitere Telefonanrufe meinerseits über den ganzen Abend verteilt, Handy weiterhin dauerhaft abgeschaltet. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen wie wenig erholsam mein Feierabend ist.

Werde dann spät abends wirklich brutal besorgt, aber auch wütend, frustriert, traurig, kraftlos und müde.
Es ist zu viel.

Gehe dann ins Bett, schreibe vorher aber noch eine letzte Nachricht – dass er das mit dem Visums-Antrag für morgen vergessen könne, da wir noch viel zusammen hätten besprechen müssen. Und dass ich krank sei vor Sorge und er sich sofort melden solle, sobald er könne!

Kann nicht gut schlafen… drehe mich immer wieder hin und her, schaue aufs Handy. Habe den „Nicht stören“ Modus eingeschaltet, weil genau jetzt plötzlich allen Leuten in den Sinn zu kommen scheint, dass sie mir doch mal wieder schreiben könnten und ich bei jedem Klingeln des Handys aufschrecke und es sofort packe, um die Nachricht möglichst schnell lesen zu können. Doch nie ist eine Nachricht von Cubano drunter.

Deswegen der „Nicht stören“ Modus, bei dem ich nur noch Nachrichten und Anrufe von ihm hören kann.

Um halb 12 Uhr werde ich wieder wach, habe bis dahin sowieso nur oberflächlich vor mich hingedöst. Schaue erneut aufs Handy. Immer noch nichts.

Im Halbschlaf rufe ich ihn nochmals an… es klingelt!!!

Er meldet sich:

„Hello.“
„Wieso schreibst du mir nicht?“
„In Havanna ist der ganze Tag über der Strom ausgefallen und mein Handy hatte keinen Akku mehr.“

 

Ich muss ihn etwa 3 Mal bitten, seinen Satz zu wiederholen. Ich bin so unglaublich müde und erschöpft, dass es mir schwerfällt, ihm zuzuhören und aus seinen schnell gesprochenen, akzentgeschwängerten, spanischen Wörtern einen Sinn zu entlocken.

Dann hab ich’s gecheckt. Also alles in Ordnung bei ihm bezüglich Gesundheit, scheiss Stromausfall!

Bin trotzdem irgendwie wütend. Wieso findet er nie einen Weg, mich zu informieren über so etwas? Ich würde dafür alle Hebel in Bewegung setzen, damit er sich keine Sorgen machen müsste und informiert werden würde. Aber ihm ist das nicht mal in den Sinn gekommen wahrscheinlich.

Er spricht weiter:

„Ich habe alle Dokumente abholen können.“
„Ok….“
„Und jetzt kommen gerade alle SMS von dir rein.“
„Ok…“
„Ich werde morgen die Kopien vom Pass machen gehen“.

 

Wieder muss ich nachfragen, was er gesagt hat.
Er wiederholt es und meinte dann:

„Und übermorgen kann ich zur Botschaft gehen, oder?“
„Ich weiss es nicht.“

 

Schweigen.

Ich mag nicht mehr reden. Schon gar nicht auf Spanisch. Ich bin gerade einfach nur am Ende und so erschöpft wie noch nie in meinem Leben. Nein, so FRUSTIERT UND ERSCHÖPFT, wie noch nie in meinem Leben.

Ich habe keine Lust ihm jetzt nochmals zu erklären, dass ich ihn per SMS zwei Mal gefragt hatte vorgestern und gestern, ob er ein spezielles Dokument noch auftreiben könnte, welches seine Chancen bei der Botschaft evtl. erhöhen würde. Er hatte mir bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Antwort darauf gegeben und deswegen habe ich ihm jetzt am Telefon gesagt, dass ich nicht weiß, ob wir den Visums-Antrag morgen einreichen können. Aber wie gesagt – ich hatte null Bock auf Erklärungen! Mein Bedarf an Erklärungen auf Spanisch sind gedeckt! So was von!

Da ich während seinem Schweigen fast schon wieder einschlafe, sage ich abschließend:

„Ich muss jetzt schlafen. Chao.“

 

Nach einigem Zögern klingt es aus dem Hörer:

„Chao.“

 

Ich hänge auf. Und falle sogleich in einen erschöpften Schlaf, der endlich nicht mehr durch die riesigen Sorgen um Cubano gestört ist.

Und seit heute Morgen geht‘s mir gar nicht gut.

Ich stehe wie immer sehr früh auf, da ich früh arbeiten gehen muss. Ich blicke in den Spiegel und fange an zu weinen. Die Erschöpfung sieht mir aus meinem Spiegelbild entgegen. Ich bin immer noch so schwach und kraftlos, dass ich mich am liebsten direkt wieder unter der Decke verkriechen will!

Was mich auch verletzt, ist, dass ich mir so eine riesige Mühe gegeben habe mit den Dokumenten. Ich habe alle fein säuberlich angeschrieben, sogar meinen eigenen Einladungsbrief, den ich an die Botschaft senden werde, noch auf Spanisch übersetzt für Cubano, damit er weiß was ich der Botschaft schreibe (es sollte vermieden werden, dass wir der Botschaft unterschiedliche Dinge erzählen).

Und dazu habe ich einen wunderschönen Liebesbrief an ihn verfasst. Ich habe viele Fotos von uns ausgedruckt und ebenfalls in den Umschlag gesteckt – er hatte leider bei seinem letzten Handy-Wechsel all unsere Fotos, die er auf seinem Handy hatte, verloren!

Ich hatte ihm den ersten handgeschriebenen Brief verfasst und habe mich darüber noch riesig gefreut gehabt. Endlich konnte er sehen, welche Handschrift ich habe! Ich denke immer wieder einmal darüber nach und grüble, welche Handschrift Cubano hat. Leider weiß ich das nicht und finde das total schade. Ich wusste bisher nicht, dass so etwas wichtig sein könnte – aber ich habe das Gefühl, dass ich seine Persönlichkeit noch ein bisschen besser erfassen könnte, wenn ich seine Handschrift kennen würde.

Ich hatte mir beim Verpacken aller Dokumente und dem Brief vorgestellt, wie er all diese Sachen auspackt, wie er freudestrahlend meinen Brief liest und unsere Fotos anschaut. Wie ihm warm ums Herz wird und er lächelnd meine Karte immer und immer wieder durchliest.

Von all dem hatte er so rein gar nichts gesagt am Telefon. Das einzige, was er dazu gesagt hatte war, dass er die Dokumente abgeholt hatte.

Tja. Was soll ich dazu noch sagen. Ich bin einfach enttäuscht, traurig, frustriert, kraft- und energielos.

Mal schauen was heute jetzt kommt von ihm – Antworten auf meine zig SMS-Nachrichten, Reaktion auf meine kurzangebundene Art in der Nacht am Telefon und was er bezüglich der Dokumente für den Visums-Antrag noch zu sagen hat. Ich hab jetzt erstmals Pause und kümmere mich um mich selber.

Cecilia


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Sonnenstrahl des TAGES #2

26.06.17

Trennlinie-Punkte

Sonnenstrahl des Tages
Ich habe mir diesen wunderbaren, herzerwärmenden Film angesehen:

Für die Schweizer hier zu sehen:

https://www.srf.ch/sendungen/dok/der-alte-mann-und-der-storch

und für alle anderen hier:

http://www.arte.tv/de/videos/064454-000-A/der-alte-mann-und-der-storch

„Der alte Mann und der Storch“

Eine wundervolle Geschichte über die 24-jährige Freundschaft eines alten Mannes und eines Storchenweibchens, die aufgrund einer früheren Schussverletzung nicht mehr fliegen kann. Auch die Geschichte rum um diesen alten Mann wird erzählt, über sein Dorf, die Dorfbewohner, die Bräuche und vor allem die unglaubliche Natur – ich konnte nicht mehr aufhören zu lächeln, während ich diese Dokumentation anschaute.

Man sieht die freilebenden Pferde- und Kuhherden und die in wundervoll artenvielfältigen Wiesen herumwühlenden Schweine mit ihren zuckersüßen Jungen im Schlepptau, ebenfalls in völliger Freiheit. So wie es sein SOLLTE in unserer Welt.

Dieser Film ist ein echter Sonnenstrahl – der einen bis ins Herz trifft und es angenehm wärmt.

Schaut euch die Doku an – es lohnt sich. Sie ist jetzt noch ca. 26 Tage abrufbar.

Liebe Grüße
Cecilia


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Negativität to go

25.06.17

Ich bin so frustriert heute, dass ich gar nicht weiß, wo ich beginnen soll damit zu erzählen, WAS mich alles so frustriert zur Zeit!

Punkt1:
Ich hatte eine stressige Woche. Cubano genau so. Wir stritten uns häufiger, teilweise weil wir schlecht drauf waren, beide zu wenig oder schlecht geschlafen haben und weil irgendwie NICHTS funktioniert hat, was Cubano hätte erledigen sollen. Ein Problem bei der ganzen Visums-Angelegenheit ist, dass Cubano keine Mailadresse einrichten konnte. Diese braucht er, um den Visums-Antrag erhalten zu können von mir, den er dann ausdrucken und der Botschaft vorlegen muss! Doch Cubano stand 2 Stunden vergeblich in der Schlange vor dem Geschäft, in dem er diese Mailadresse hatte einrichten wollen, nur um dann, ohne etwas erreichen zu können, wieder von dannen ziehen zu müssen – laut Angestellten funktioniert das Einrichten von Mailadressen immer noch nicht.

Bei dem Versuch eine Reisekrankenversicherung abzuschließen, ließen die Angestellten ihn ebenfalls auflaufen. Er müsse noch zuerst eine „Reise-Anfrage“ stellen bei einer anderen Stelle in Havanna und dann wieder zu ihnen zurückkommen und weiß der Kuckuck was alles noch. Ich hatte noch NIE etwas davon gehört und hatte wirklich genauestens recherchiert! Cubano war dann etwas frustriert und fragte mich, ob ich denn auch wirklich recherchiert habe. Das brachte mich dann gleich zum Ausflippen.

ICH weiß ja, wie viel Zeit ich in das Ganze schon investiert habe! Und angesichts von Punkt 2 in diesem Blogbeitrag, hat mich das dann gleich noch mehr geärgert. Soviel Zeit vergeudet – für nichts?

Punkt2:
Ich suchte mir wie häufiger in der letzten Zeit Rat im Internet bei Leuten, die das ganze Visums-Prozedere schon durchlaufen haben. Leider gibt es aber da auch immer noch Leute, die ebenfalls ihren Senf dazugeben müssen und immer wieder betonen müssen, wie unwahrscheinlich es doch ist, dass Cubano ein Visum bekommen wird und ich mir das Ganze doch sparen soll. Danke, ich brauchte so lange um mich aufzuraffen zu diesem Schritt und positiv zu denken und einfach mal mein Glück zu versuchen. Da brauch ich genau SOLCHE Worte!

Ja und WENN es denn doch irgendwie klappen sollte mit gaaaaaaaaaaanz viel Glück, ließen diese Besserwisser mich wissen, dann wäre es sowieso so, dass er mich hier nur komplett ausnehmen wollen würde und am liebsten mit meiner Kreditkarte in der teuersten Zone shoppen gehen wollen würde – für sich und alllllllll seine Familienangehörigen, Freunde und Bekannte. Mein Einwand, dass ja wohl nicht jede Kubanerin und jeder Kubaner gleich sind, wird regelmäßig ignoriert bei diesen Schlechtrednern.

Tenor: Alle Kubaner sind nur aufs Geld aus und sind sowieso alle gleich. Auch wird von den männlichen Schreibern immer wieder damit geprahlt, wie jung und heiß ihre kubanischen „Chicas“ doch sind und wie sehr sie doch aufpassen müssen, dass ihre „Kleinen“ nicht anfangen zu gierig nach ihrem Geld zu werden und schön bescheiden bleiben und artig sind. Sie schreiben von ihren kubanischen Freundinnen, wie wenn es mühsame und nörgelnde kleine Kinder wären! Diese meist doppelt- oder dreifach so alten Männer scheinen wirklich nicht den kleinsten Zweifel zu haben, dass diese jungen und hübschen Kubanerinnen nicht aus wahrer Liebe und Hingabe mit ihnen zusammen sein könnten.

Es gibt im Internet immer sehr hilfsbereite Menschen, die versuchen mir weiterzuhelfen, aber leider kommt man an diesen Deppen, wie oben beschrieben, nicht vorbei!

Punkt 3:
Weil Cubano den Visums-Antrag nicht per Email empfangen konnte, musste ich mir eine andere Lösung einfallen lassen und suchte wieder Rat im Internet. Kommentar zu unserem Email-Problem, den ich dann von so einem oben genannten Depp erhielt:

„Unglaublich, wie die Kubaner sich teilweise doof stellen können und wie die Ausländer immer darauf eingehen und ihnen alles abnehmen“.

KOTZ! Musste mich zusammenreißen, da keine Antwort mehr zu geben, wäre wohl ziemlich explodiert! Wie kann man sich anmaßen so etwas Freches zu schreiben, wo er weder MICH noch CUBANO kennt???

Die Dokumente für Cubano mit DHL nach Havanna zu schicken, was wieder 6 Tage gedauert hätte und mich 120 Franken gekostet hätte, wollte ich unbedingt vermeiden. Glücklicherweise habe ich dann durch einen tollen Kontakt im Internet einen Herrn kennengelernt, der so freundlich ist und mir die Dokumente mit nach Havanna nimmt morgen! WAS für ein Glücksfall!
Ich dachte:

„Jetzt wird endlich alles gut, das Blatt wendet sich und wir werden Glück haben und dieses Visum kriegen. Es KANN nichts mehr schief gehen jetzt!“.

Doch dieser nette Herr entpuppt sich jetzt als der größte Miesepeter von allen und er wird nicht müde, mir unter die Nase zu reiben, wie unwahrscheinlich es ist, ein Visum für Cubano zu kriegen. Die negative Cecilia hoch 2 sozusagen! Na danke, das brauchte ich jetzt noch!

„Ich wünsche euch viel Glück. Die Schweizer Botschaft in Havanna ist die härteste weltweit“,

kam es von ihm schlussendlich noch. Meine unsichere Antwort darauf war:

„Ich denke, dass wir beim ersten Mal mit einer Ablehnung rechnen müssen und vielleicht danach mit einer Einsprache meinerseits Glück haben. Vielleicht ist es ein Pluspunkt, dass mein Freund nur 3 Wochen in die Schweiz kommen will. Wir müssen es einfach mal probieren, sonst werden wir es nie wissen. Wir haben nicht die besten Voraussetzungen, aber (hoffentlich) auch nicht die schlechtesten. Drück uns bitte die Daumen.
Das wusste ich nicht, dass die Havanna-Botschaft die härteste ist, das macht mich jetzt direkt noch etwas nervöser.“

Das war mein Wink mit dem Zaunpfahl à la: „mach mich bitte nicht noch nervöser, ich habe mir schon genug Sorgen darüber gemacht!“.

Nein, es kam nicht an, der Zaunpfahl wurde ignoriert. Im Gegenteil, es wurde noch nachgelegt. Obwohl dieser besagte, nette Herr selber wohl noch nie einen solchen Visumsantrag gestellt hatte in seinem Leben. Denn er schrieb mehrere Male, dass ich mich für genauere Auskünfte an den Herrn wenden soll, der mich an ihn verwiesen hatte bezüglich der Dokumenten-Mitnahme. Naja, von diesem Herrn hatte ich ja vorab auch schon jede Menge Tipps erhalten und er hatte mir lange nicht solche Angst gemacht, wie jetzt dieser „nette“ Herr.

Nun, heute kam dann von ihm:

„Wenn du Pech hast, musst du deiner Gemeinde 30’000 Franken Garantie leisten.“

Zum Schluss der krönende Abschluss:

„heiraten, jetzt, nicht nach der Ablehnung. Wäre vielleicht eine Lösung“.

 

Seit all diesem Scheiss drehen sich meine Gedanken wieder im Kopf und die positive Cecilia und der negativ eingestellte Gegenpart liefern sich ohne Pause Machtkämpfe und Wort Duelle.

„Ich habe doch gesagt, dass das nichts wird. Wieso nimmst du die Mühe und die Kosten überhaupt auf dich. Ich habe bereits aufgegeben daran zu glauben, dass Cubano dieses Jahr zu mir fliegen kann. Alles weg, Traum abgehakt. Ich hab’s doch schon von Anfang an gewusst – wieso hab ich mit diesem Scheiss überhaupt begonnen!“
„Es kann trotzdem sein, dass er das Visum erhält. Schließlich haben wir ehrliche Absichten und das sollten die auf der Botschaft doch merken und spüren. Die haben bestimmt viele Betrüger, die dann aber auch auffallen in der Masse und die wissen genau, was sie fragen und worauf sie achten müssen. Da sollte Cubano doch locker bestehen!“
„Und wenn nicht, werdet ihr beide zutiefst betrübt sein und es ist dann wieder für einmal mehr kein Land in Sicht und du kannst wieder in deine depressiven Gedanken abtauchen.“
„Aber wir wissen dann mehr, wir haben es dann zumindest probiert und können schauen wie wir weiter vorgehen wollen. Er WIRD das Visum kriegen!!!“
„Vergiss es. Die Schweizer Botschaft sagt in 99.9% der Fälle NEIN zu einem Besuchervisum. Das habe ich mehrmals gelesen im Internet.“
„Es schreiben ja aber auch meistens nur diejenigen im Internet, bei denen es nicht geklappt hat. Man weiß ja gar nicht, bei wie vielen Leuten es auf Anhieb und ohne Probleme erteilt wurde! Denn so etwas schreiben die Leute ja dann selten.“

 

Naja, momentan sind beide Seiten in mir gleich stark, was mich innerlich komplett zerreißt und ermüdet. Ich will einfach nur ins Bett und so lange schlafen, bis dieser Scheiss Visums-Antrag vorüber ist und wir Bescheid wissen, ob es bewilligt oder abgelehnt worden ist.

Wenn er aber abgelehnt wird, wie leider wirklich vorauszusehen ist bei unseren Voraussetzungen, dann geht die Arbeit für mich wieder los! Dann heißt es, Einsprache einlegen, nochmals draufzahlen und wieder mit den Terminen, Dokumenten und Informationen von und nach Kuba rumjonglieren.

Cubano wird die Visum-Antragsdokumente (wenn HOFFENTLICH alles gut geht mit dem netten Herrn), am Dienstag abholen können bei ihm und ich denke, dass er am Mittwoch mit allen nötigen Dokumenten, fein säuberlich in seiner Mappe verstaut, frühmorgens rausgeputzt und geschniegelt vor der Botschaft wird erscheinen können.

Liebe Grüße und ich hoffe, dass ihr alle einen entspannteren Sonntagabend genießt als ich.
Cecilia


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Weiter geht’s!

19.06.17

PUNKT 1:
🇨🇺 -> Pass beantragen / zuständig : Cubano
✔ DONE! Nach knapp 2 Wochen war er abholbereit 🙂

PUNKT 2:
🇨🇺 -> Kleidung für die Botschaft kaufen / zuständig : Cubano
✔ DONE! Die seriöse Kleidung für die benötigten Fotos und den Besuch bei der Botschaft sind bereit 🙂

PUNKT 3:
🇨🇺 -> Mappe kaufen für alle benötigten Unterlagen, Formulare und Kopien / zuständig : Cubano
✔ DONE! Auch bereits erledigt 🙂

PUNKT 4:
🇨🇺 -> Farb-Portrait-Fotos erstellen lassen in der Größe 35 x 45 mm (2-fache Ausführung) / zuständig : Cubano

PUNKT 5:
🇨🇭 -> Einladungsschreiben für Cubano aus dem Internet ausdrucken und ausfüllen, dazu einen eigenen Brief schreiben für die Botschaft, wieso Cubano in die Schweiz kommen will, nähere Umstände erklären / zuständig : Cecilia

PUNKT 6:
🇨🇭 -> Flug raussuchen, den Cubano nehmen würde. Aber noch nichts reservieren oder buchen! / zuständig : Cecilia

PUNKT 7:
🇨🇺 -> Reiseversicherung abschließen für die gewünschte Aufenthaltsdauer von Cubano in der Schweiz / zuständig : Cubano (wäre auch möglich, diese Versicherung in der Schweiz abzuschließen, nur kostet das mehr als 4x soviel!)

Soviel dazu. Ich halte euch auf dem Laufenden 🙂

Die sehr geschäftige
Cecilia


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Visum-Gedöns

14.06.2017

Dieses ganze Visum-Gedöns geht mir ganz schön auf den Zeiger.

Ich habe Cubano peu à peu den ganzen Visums-Ablauf erklärt. Dabei hatte ich jedoch einige Hürden. Denn auch nach der Komplett-Ausschaltung aller SMS-Nachrichten aus dem Ausland nach Kuba diesen Februar von einer kubanischen Firma, die ca. 1 Monat später endlich aufgehoben wurde, gibt es immer noch kleinere Nachwehen, die ich zu spüren kriege.

Die SMS-Kommunikation funktioniert zwar wieder, meine SMS kommen bei Cubano aber meistens mit einer ziemlichen Zeitverzögerung an (z.T. sogar bis zu einem Tag!) und sobald ich mehr als 160 Zeichen schicke (also alles, was mehr als 1 SMS auf einmal ist) kommt gar nicht an.

Tja, es dauerte natürlich eine Weile, bis ich diesem Problem auf die Schliche kam. Und es hat schlussendlich auch noch fast einen Streit ausgelöst zwischen mir und Cubano, weil unsere Kommunikation so zeitverzögert stattgefunden hatte, dass er SMS Nachrichten von mir als Antwort auf seine Nachrichten empfunden hat, die ich jedoch schon lange vorher geschrieben hatte. So entstanden einige verwirrende Situationen, die es zu klären galt. Und all das macht die ganze Chose mit unserem Fernbeziehungs-Frust nicht gerade leichter, wie sich bestimmt jeder vorstellen kann.

Manchmal denke ich, ich muss bald platzen ab meinem in mich reingestopften, riesengroßen Frust.

Nun bin ich aber abgeschweift.

Ich versuchte also die letzten Tage, Cubano den ganzen Visum-Ablauf per SMS zu erklären. Man stelle sich das vor… Cecilia vor ihrem Handy, schnaubend und händeringend. Den Google-Translater immer geöffnet für die vielen fachlichen Ausdrücke. Der ganze auf spanisch geschriebene Text möglichst kurz gehalten, einfach und verständlich, tausend mal geändert, angepasst und umformuliert, muss in X Teile aufgespalten werden, wobei jeder Teil nicht die 160 Zeichen überschreiten darf. Dazu muss man die Zeitverzögerung berücksichtigen. Deswegen warnte ich Cubano jeweils vor und sagte ihm, dass ich ihm nun z.B. 7 SMS senden werde und er gefälligst warten solle mit irgendwelchen Antworten und Gegenfragen, bis er wirklich ALLE SMS bekommen habe. Um ihm anzeigen zu können, wie viele und in welcher Reihenfolge er von mir SMS erhalten sollte, verwendete ich vor jedem SMS eine Nummerierung, so z.B. 1/7, 2/7, etc.

In der heutigen Zeit der modernen Technik ist das alles kaum nachvollziehbar. Ich aber bin in der letzten Zeit regelmäßig am Ausflippen ab solchen Zuständen.

Denn solche zeitraubenden Erklärungen per SMS führte ich in der letzten Woche fast jeden Abend. Denn es geht ja immer Schritt für Schritt weiter im Visums-Prozess und es gibt vieles zu besprechen, planen und abzuklären miteinander.

Falls sich jemand fragen sollte, wieso ich ihn nicht einfach anrufe und das per Telefon kläre: es ist erstens sauteuer und ich nage jetzt noch an den Rechnungen die ich erhalten hatte, als die SMS Verbindung komplett unterbrochen war und wir ab und zu miteinander telefoniert hatten; zweitens kann ich ihm diese fachlichen Ausdrücke nicht aus dem Stehgreif sagen und würde dann eher vor mich hin stottern. Dazu kommt erschwerend, dass die Verbindung nicht immer die beste ist und Cubano meistens draußen telefoniert, was ziemlichen Lärm im Hintergrund verursacht. Wir verstehen meistens nur die Hälfte von dem, was der andere sagt. Da es sich bei dieser Visums-Angelegenheit um etwas sehr Wichtiges handelt, muss er ganz genau Bescheid wissen und deswegen sind die schriftlichen Anweisungen unerlässlich – zu meinem Leidwesen.

Übrigens hat sich Cubano erneut mehrere Male bei der Telekommunikationsfirma erkundigt, ob es möglich sei, ein E-Mailkonto auf seinem Handy einzurichten. Die Kubaner haben eine Methode, bei der man das Internet für das Abrufen der E-Mails nicht benötigt (funktioniert aber nur mit den kubanischen Mailadressen, die auch nur auf kubanischen Handys eingerichtet werden können). Die Mails können dann nämlich, genau wie die SMS-Nachrichten, per Satellit empfangen werden und der Empfänger bezahlt pro Kilobyte der empfangenen E-Mail einen kleinen Betrag. Er kann so auch E-Mails verschicken, natürlich ebenfalls kostenpflichtig.

Leider scheint das bis jetzt nicht zu funktionieren und auch Freunde von Cubano haben mit dieser Kommunikationsmöglichkeit immer wieder Schwierigkeiten.

Gut. Nun zu den jetzigen Schritten:

Cubano hat sich eine schöne Mappe gekauft auf meine Anweisung hin, in die er alle Formulare, Dokumente und Kopien reinpacken soll. Die Kubaner sind diesbezüglich nicht so kleinlich, bürokratisch, perfektionistisch und korrekt veranlagt wie die Schweizer. Er kann auf der Botschaft nicht mit irgendwelchen zusammengefalteten Fresszetteln daherkommen.

Für den Kubaner ist der einzig sichere Ort, an dem er für sich wichtige Dinge aufbewahrt, seine Hosentasche. Ich habe mich schon oft gewundert, wie Cubano das hinkriegt, dass er nie etwas Wichtiges verliert! Alles wird so gefaltet, dass es in die Hosentasche oder ins Portemonnaie passt und dann ist das Thema für den Kubaner erledigt 😉

Ich weiß zum Glück, wo es da Diskrepanzen geben könnte zwischen Cubanos Ansicht von „Ordnung und Vorbereitung“ und den Erwartungen der Schweizer Botschaft und sorge deswegen vor. Man muss ja nicht zusätzlich Zündstoff liefern, wenn die Botschaft bei der Visumsvergabe sonst schon relativ knauserig zu sein scheint.

Nun gut, Mappe ist gekauft. Pass wurde ja bereits in Auftrag gegeben und sollte diesen Freitag abholbereit sein. Dann geht’s weiter.

Doch heute nicht. Heute hab ich mir einen „erklärfreien Abend“ genehmigt. Ich mag einfach gerade nicht mehr.

Alles Liebe!
Cecilia


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Sonnenstrahl des TAGES #1

10.06.2017

Ich erstelle hiermit eine Serie für mich, die ich „Sonnenstrahl des TAGES“ nenne. So will ich dem Positiven in meinem Leben mehr Beachtung schenken, mich selber mehr für das Schöne im Leben sensibilisieren und diese „Kunst“ hoffentlich irgendwann einmal zu einem festen Bestandteil des Denkens und meines Lebens machen.

Ich weiß nicht, ob einige meiner Sonnenstrahlen für euch vielleicht eher kindisch, langweilig oder sinnlos erscheinen – für mich haben sie jedoch einen großen Wert.

Trennlinie-Punkte

Sonnenstrahl des Tages

„Manchmal bedarf es nur einer kleinen Geste des Universums, um unsere Gedanken und Handlungen wieder neu kalibrieren, bewerten und gewichten zu können.“

Trennlinie-Punkte

Diese Autofahrer! Unglaublich. Es ist wieder einmal Vollmond gewesen und jeder hat das Gefühl, er müsse seine „Mondfühligkeit“ auf der Strasse ausleben.

Ich koche innerlich und schimpfe halblaut vor mich hin in meinem Auto. Wie gewohnt bin ich zügig unterwegs und will nach Hause. „Wenn mich diese Idioten auf diesen Straßen denn auch wirklich heil nach Hause fahren lassen…“, schießt es mir wieder gehässig durch den Kopf.

„Na toll, und jetzt halten diese Deppen vor mir schon wieder an. Wieso sollte man auch zügig fahren, wenn es auch langsam und mühselig geht und jeder noch stundenlang durch die Gegend staunen möchte, bevor er mal aufs Gas drückt?“

Ich habe Betriebstemperatur erreicht und spreche schon etwas lauter und energischer mit mir selber, ungeachtet dessen, dass mein Fenster sperrangelweit offen steht und etliche Fußgänger auf dem Gehweg neben meinem Auto unterwegs sind. Die kommen angesichts der momentan vor mir herrschenden Autoschlange jedoch bedeutend schneller vorwärts als ich.

Ich gebe einen äußerst genervten Seufzer von mir… und da erscheint es. Es segelt regelrecht hinunter vom Himmel! Und direkt vor mir auf die Kühlerhaube meines Autos.

Ein wunderhübsches Marienkäferchen!

Es faltet seine Flügel sorgfältig zusammen. Sofort bin ich gebannt, denn es ist ein wunderschönes Exemplar mit so vielen Punkten, wie ich es noch selten gesehen habe.

Vergessen ist die Autoschlange und mit ihnen die phlegmatischen Autofahrer.

Beim Anblick des Marienkäfers werde ich wieder zum Kind und beginne sofort, mit dem gepunkteten Läuse-Fresser zu sprechen.

„Na was bist du denn für ein Süsser? Du hast dir nicht gerade den besten Ort ausgesucht um nach Nahrung zu suchen, hier direkt in der Stadt und umgeben von Beton!“

Es wieselt ziellos auf der Haube hin und her.

Huch…. ich muss ja fahren… Moment, halt dich fest!

Bleib schön auf meiner Kühlerhaube und flieg um Himmelswillen nicht davon! Ich fahre jetzt langsam und sanft in eine Seitenstraße, etwas weiter entfernt vom Beton und suche dir ein bisschen Natur, Blumen und Bäume.“

Gesagt, getan. Ich hatte die Hoffnung, von diesem kleinen Wesen, welches meinen großen und überschäumenden Ärger des ganzen Tages einfach so weggezaubert hat mit seinem Erscheinen, noch ein Foto machen zu können; doch sobald ich den Wagen direkt unter einem wunderschönen, grossen Baum umgeben von grünen Gärten parkiert hatte, spreizte es seine Flügelchen aus und schwebte auch schon davon. Wieder da hinauf, wo es hergekommen war. In den Himmel…

…und lässt mich mit einem Lächeln und positiven Gedanken zurück.

Danke, kleines Marienkäferchen.


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Von Verpflichtungen und Druck

08.06.2017

Wieso habe ich ständig ein schlechtes Gewissen?

Wieso will ich immer alles perfekt machen – und allen gerecht werden?

Alle Erwartungen, Anforderungen und Verpflichtungen perfekt erledigen? Wenn möglich noch ein kleines Stückchen besser als perfekt und selbstverständlich auch noch ein Stückchen schneller als nötig?

Wobei ich wiederum andere Sachen, meist privater Natur und solche, die ich für MICH erledigen möchte und mir guttun würden, gerne auf die ungeheuerlich lange Bank schiebe.

Der Druck meines eigenen Perfektionismus. Den spüre ich ständig. Und je schlechter es mir selber geht, desto grösser und mächtiger wird dieser Druck. Bis es fast nicht mehr auszuhalten ist.

Und dieser Druck bewirkt schlussendlich, dass ich mich wie ein vor Angst erstarrtes Tier in der dunklen Ecke fühle und mich auch am allerliebsten genau dorthin verkriechen würde. Es bricht alles über mich hinein und der riesige Berg bestehend aus Verpflichtungen und „du solltest…“-Sätzen, die ja nur aus meinem eigenen Gehirn stammen und dort unablässig aufs Neue produziert und ausgespuckt werden, türmen sich bedrohlich und unverrückbar vor mir auf.

Die wirklich wichtigen Sachen (meine Selbstliebe schüttelt energisch den Kopf und meint: „haha, wirklich wichtig, dass ich nicht lache… die Sachen, die du für DICH tun solltest, DIE wären wirklich wichtig!!! Alles andere ist Mumpitz!“), erledige ich immer noch punktgenau und perfektionistisch wie immer.

Bei den Dingen in meinem Leben, die ich für mich selber endlich anpacken und erledigen sollte, sieht es leider seit längerem etwas anders aus. Ich sage mir immer wieder, dass ich „einfach“ mal anfangen soll, meine Pendenzen und offenen Punkte im Leben abzuarbeiten. Nebst allen anstehenden (Selbstliebe lacht verbittert: „…und soooo wichtigen, nicht wahr“) Verpflichtungen natürlich. Es klingt ja auch simpel, dieses „einfach mal tun“. Wäre es vielleicht auch. Aber mein Gehirn und seine klebrig-mühsamen und meist negativ gefärbten Gedanken quellen ohne Unterlass hervor und binden sich wie Bleikugeln an meinen Körper.

Manchmal… wenn ich Glück habe oder meine Gedanken für einmal endlich in die richtige Richtung umschlagen („Hey, jetzt mach doch das schnell, ist ja keine große Aufgabe und du wirst dich nachher super fühlen! Außerdem hast du das total im Griff und wirst dich nachher wundern, wie schnell es erledigt ist und wie gut du dich fühlen wirst“), nutze ich die Gunst der Stunde aus und versuche einige Punkte, die mir seit längerem auf der Seele brennen und ich im Kopf seit gefühlten Ewigkeiten mit mir rumtrage, abzuarbeiten und einen Haken dahinter setzen zu können.

Ich frage mich immer, wie alle anderen Menschen das tun?

Mein Gehirn meint dazu:
„Na, kluger Kopf, die halsen sich schon gar nicht so viel Scheisse auf, wie du immer! Du hast ja aber auch immer das Gefühl, du musst gleich sofort HIER schreien, wenn jemand auch nur so aussieht, als könnte er Hilfe brauchen“.

Außerdem meint es:
„Dazu kommt, dass andere Leute sich selber auch wichtig nehmen und sie deswegen automatisch Sachen angehen und erledigen, die ihnen schlussendlich das Leben erleichtern oder ihnen einfach gut tun. Du meinst ja immer, deine Verpflichtungen gegenüber dir selbst kannst du bis an den Sankt Nimmerleinstag rausschieben.“

Ja, mein Gehirn ist nicht sehr freundlich. Trotzdem hat es wohl recht. Ich versuche auch, mehr bei mir zu bleiben und meine Hilfsbereitschaft für einmal auch mir selber zugute kommen zu lassen.

„Na das will ich aber erst sehen und spüren, bevor ich es glaube“, schleudert mir meine Selbstliebe sarkastisch entgegen.

Ich kann leider nichts entgegnen. Denn ich weiß, dass ich das vielleicht nie lernen werde. Schon zu lange arbeite ich an mir und verzweifle daran.

Meine eigene Erfahrung und mein Gefühl sagt mir, dass ich die früher diagnostizierte Depression wohl nie wieder ganz losbringen werde. Sie ist ein Teil von mir geworden und lauert häufig direkt unter der Oberfläche meiner Gedanken und Handlungen. Sie ist auch oft der Grund, wieso ich sehr schnell einen unüberbrückbaren Berg an Arbeit und Zwängen vor mir sehe und nur noch verzweifelt aufgeben und mich verkriechen möchte.

Ich hoffe, dass sich die Depression irgendwann etwas tiefer sinken lässt und verblasst und ich sie für einige Zeit auch einmal vergessen kann/darf. Fröhlich und glücklich sein kann, ohne diese leichte Schattierung der Depression in all meinen Gefühlen, Gedanken und Handlungen wahrnehmen zu können.

Ich hoffe, das war jetzt nicht allzu wirr. Es tat mir unglaublich gut, einfach drauflos zu schreiben.

Herzlichst
Cecilia